Geschichte

Geschichte

Die urgeschichtliche Besiedlung der Gegend erhärten Funde aus der jüngeren Steinzeit, vor allem aber die 1931/32 erforschten und konservierten hallstättischen Grabhügel im Fornholz und Niederholz. Einer der zu Ende 1. Jhs. n. Chr. erbauten römischen Gutshöfe im «Emmet» wurde 1945 erforscht. Grosses alemannisches Gräberfeld auf der «Weinhalde» 893 (oder 924) Sewa und de Seaun. Die niedere Gerichtsbarkeit war im 14. Jh. geteilt: Zwei Drittel gehörten dem Landesherren auf der Lenzburg, den Freien von Gösgen ein Drittel, das 1311 durch Kauf an das Stift Schönenwerd, später ebenfalls an den Landesherrn (Bern) fiel (Gericht Seon). Das ortsansässige Geschlecht der Herren von Seon, kiburgischer Dienstmannen, taucht zu Beginn des 13. Jhs. auf, sie ziehen aber schon um die Jahrhundert mitte nach Aarau, von einer Burg ist keine Spur vorhanden. Ein Leutpriester wird 1275 urkundlich erwähnt. Der Kirchenschatz, ursprünglich im Besitz der Habsburger, kam 1359 an das Stift Schönenwerd, Inkorporation 1405. 1539 kam die Kirche durch Austausch einiger Kirchenschätze zwischen Bern und Solothurn an Bern, 1803 an den Kanton Aargau.

Die Pfarrkirche

Ein dem hl. Martin geweihtes Gotteshaus wird 1408 in einer Aarauer Urkunde genannt. Das heutige Gotteshaus verdankt seine Gestalt einem umfassenden Um- und Neubau des Jahres 1708. Der Rat in Bern steuerte dazu insgesamt 250 Gulden bei. 1821 / 22 wurde anlässlich einer grösseren Renovation der südseitig angebaute Käsbissenturm, dessen Fundamente wie auch die einer angebauten ehemaligen Sakristei noch im Boden vorhanden sind, leicht erhöht; er erreichte auch dann noch kaum die Firsthöhe der Kirche; innen wurde die flache Holzdecke durch eine flache Brettertonne auf eingestellten Stützen ersetzt und eine Empore eingebaut. 1856 Abbruch des Turms und Errichtung eines neuen durch Zimmermann Daniel Gloor von Seon an der Westseite des Schiffes. 1899 erhält der Turm statt des bisherigen Zwiebelhelms einen viergiebligen Spitzhelm.

Die Kirche ist in westöstlicher Richtung quer zum Hang gestellt und inmitten des ehemaligen Friedhofs gelegen. Das verputzte, chorlose Schiff, unter geradem Satteldach von mässiger Steile und mit Rechteckfenstern in sichtbaren unprofilierten Gewänden aus Muschelkalk, ist von äusserster Schlichtheit. Das einzige architektonische Orna-ment findet sich am nordseitigen Türgewände mit der Jahreszahl 1708. Der Turm von 1856 / 99 ist ohne ästhetische Angleichung in der Längsachse des Schiffs an die westliche Giebelseite gebaut.

Das Innere macht im Gegensatz zum nüchternen Äusseren einen zwar kühlen, aber festlichen Eindruck, der der Erneuerung von 1822 zu verdanken ist. Die flache Brettertonne über weiss übergipsten Raum stützen schlanke toskanische Holzsäulen auf Postamenten. Nach Westen ist eine Empore mit geschweifter glatter Brüstung eingebaut. Fenster und Türen sitzen in Stichbogennischen. Die beiden Seiteneingänge liegen am Quergang vor den Stufen einer ins Schiff einbezogenen Chorerhöhung. Der protestantischen Saalkirche gemäss ist die Kanzel in der Mitte der östlichen Abschlusswand aufgestellt.

Der Taufstein, entstammt  als einziger Bestandteil noch der früheren Kirche. Er ist wohl Mitte des 15. Jhs. in Muschelkalk gearbeitet worden. Bei der Restauration 1973 wurde er umgestaltet und angepasst. Die Vorgängerin der heutigen Orgel ist von 1876. Unter dem Chor befindet sich die tonnenüberwölbte Leistkammer (Chorge-richts-Gefängnis).
Das Pfarrhaus wurde 1882 erbaut. – 1973 wurde die Kirche restauriert. 1974 wurde eine neue Orgel eingebaut (Mühleisen).


Zusammenfassung der Geschichte

  • Kirche hl. Martin

    erstmals 1408 in einer Aarauer Urkunde erwähnt. Um- und Neubau.
  • 1821 / 22

    Käsbissenturm leicht erhöht (trotzdem nicht Höhe des Firstes), flache Holzdecke durch Brettertonne ersetzt plus Empore.
  • 1856

    neuer Turm (1899 Zwiebelhelm ersetzt durch viergiebligen Spitzhelm), toskanische Holzsäulen auf Postamenten. Typische prot. Saalkirche mit Kanzel an der Ostwand.
  • Taufstein

    wohl Mitte 15. Jh. Chorgerichtsgefängnis (Bern!)
  • 1973

    Kirche restauriert.
  • 1974

    neue Orgel
  • 2010

    Restauration innen und aussen. Erneuerung der gesamten elektrischen Anlage. Restauration der Orgel. Einbau eines Signum-Läutcomputers. Erneuerung der Eingangstüre vom Foyer her. Auf die zweiflüglige Türe wurde in Binärcode Symbolen der Spruch ... aufgebracht.
  • Wandmalerei

    gotisch, aus dem frühen 15. Jh. Links Verena und ein Bischof, rechts Margareta und Agnes.
  • Glocken

    1,2,3 + 5 1856, 4. 1969. Insgesamt 4'162 kg (4. wiegt 351 kg). 4.: Du bist Gottes Werkzeug. Er fordert deinen Dienst, nicht deine Ruhe! (Zwingli) Die Wahrheit siegt. (Johannes Hus) 5.: Wohlgefallen hat Gott an seinen Verehrern. Allen Müden bring ich Friede. Ruf sie heim in Gottes Ruh. 1954 wurde das Geläute elektrifiziert.


Das Geläute

Das Geläute der reformierten Kirche Seon besteht aus fünf Glocken. Sie sind auf "d-fis-a-h-d" gestimmt.
 
Die Glocken 1,2,3 + 5 wurden 1856, die Glocke 4 1969 in der Glockengiesserei Rüetschi in Aarau gegossen. Das Gesamtgewicht beträgt 4162 kg. Die Glocke 4 wiegt 351 kg.

Die Sprüche der Glocken 1,2,3 und 5 stammen von Eduard Dössekel, Oberrichter von Seon. Sie lauten:

1. Glocke "d"

a) unter der Krone: «O Gott, Deinen Namen wollen wir preisen, ewig und immerdar» b) im Feld: «Hört ihr meine Feierklänge, Lasset ab vom Weltgedränge Und das eitle Menschenherz, Wende fromm sich himmelwärts»

2. Glocke "fis"

a) unter der Krone; «Gerecht ist Gott in seinen Wegen und gnädig in seinen Werken.» b) im Feld: «Frieden über Land und Leute, wie der Einklang im Geläute.»

3. Glocke "a"

a) unter der Krone: «Gott bewahret alle die ihn lieben. Alle Frevler tilget er.» b) im Feld: «Tage, Jahre eilen, Nichts kann hier verweilen.»

4. Glocke "h"

a) unter der Krone: «Du bist Gottes Werkzeug. Er fordert Deinen Dienst, nicht deine Ruhe!» (Zwingli) b) im Feld: «Die Wahrheit siegt.» (Johannes Hus)

5. Glocke "d"

a) unter der Krone: «Wohlgefallen hat Gott an seinen Verehrern.» b) im Feld: «Alle Müden bring ich Friede, Ruf sie heim in Gottes Ruh.»

Die Orgel

Disposition der neuen Orgel:

Das Hauptwerk (1. Manual)
Umfasst 11 Register, nämlich Pommer 16', Prinzipal 8', Koppelflöte 8', Gambe 8', Oktave 4', Hohlflöte 4', Quintatön 4', Oktave 2', Mixtur 1 1/3, Quinte
1 1/3', Nachthorn 2'.

Das Schwellwerk (2. Manual)
Hat ebenfalls 11 Register, nämlich Ge-
dackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 4',
Blockflöte 2', Nazard 2 2/3', Terzian 1 3/5', Quinte 1 1/3', Zimbel 1', Oktave 1', Schalmei 8', Salicional 8'.

Das Pedal
ist endlich fünfregistrig; es besteht aus Subbass 16', Prinzipal 8', Oktave 4', Rauschquinte 2' und Fagott 16'.

Diese Disposition ist von unserem Orgelexperten Ernst Dössegger, Lenzburg, in enger Zusammenarbeit mit der Orgelbaukommission und der Orgelbaufirma Mühleisen, Strassbourg entworfen worden; sie fand auch die Zustimmung zweier bekannter Organisten und Musiker, die als neutrale Fachleute zusätzlich beigezogen worden waren.

Herrn Ernst Dössegger gilt für seine grosse Arbeit und seinen uneigennützigen Einsatz zum Wohle seiner Heimatgemeinde unser
herzlichster Dank!